“Fear was the first thing on earth to make gods”
— Lucretius
“Fear was the first thing on earth to make gods”
— Lucretius
Is [God] willing to prevent evil, but not able? then is he impotent. Is he able, but not willing? then is he malevolent. Is he both able and willing? whence then is evil? Is he neither able nor willing? Then why call him God?
- Epikur
Kennt ihr die Aussage von älteren Personen, die immer sagen, dass früher alles besser war? Geht auf die Nerven, oder? Robert Musil schreibt dazu so bestechende Worte, dass ich sie einfach zitieren muss.
Musil spricht über die sich veränderten Modeerscheinungen …
„Man kann weder gegen Personen noch gegen Ideen oder bestimmte Erscheinungen kämpfen. Es fehlt nicht an Begabung noch an gutem Willen, ja nicht einmal an Charakteren. Es fehlt bloß ebensogut an allem wie an nichts; es ist, als ob sich das Blut oder die Luft verändert hätte, eine geheimnisvolle Krankheit hat den kleinen Ansatz zu Genialem der früheren Zeit verzehrt, aber es funkelt von Neuhiet, und zum Schluss weiß man nicht mehr, ob wirklich die Welt schlechter geworden sei oder man selbst bloß älter. Dann ist endgültig eine neue Zeit gekommen.“ — Rober Musil, Der Mann ohne Eigenschaften
Auf den Punkt gebracht. Im übrigen gibt es da ja noch die Geschichtsromantiker, die – meist aus schönen Romanen heraus – glauben, dass die Jahrhunderte vor diesem geprägt von zumindest mehr Rücksichtnahme zur Natur oder zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit gewesen wäre. Archäologen protestieren gegen diesen Gedanken entschieden. Ausgrabungen zeigen immer wieder auf neue, dass die Menschen schon zu allen Zeiten Tierarten ausgerottet haben und die Landschaft bis zur Verwüstung ausgeraubt haben. Oder warum ist das einst so fruchtbar beschreibenen Mesopotamien - der „fruchtbare“ Halbmond – heute eine staubige Wüste?
Kürzlich habe ich mir das Buch ‘Leben lernen Eine philosophische Gebrauchsanweisung’ von Frankreichs Ex-Bildungsminister Luc Ferry zu Gemüte geführt. Auf den ersten Blick wirkt der Titel wie eine esoterische Lebenshilfe. Das ist es aber nicht – und würde, nebenbei gesagt, auch nicht zu mir passen.
Das Buch ist ein kurzer Streifzug durch die Philosophie mit allem was man über die Vergangenheit und Gegenwart wissen muss. Dabei wird nichts Wichtiges ausgelassen und zum Glück nicht an dem notwendigen Fachvokabular der Philosophen gespart. Auf der anderen Seite vermisst man zum Glück die schwierige und seltsame Ausdrucksweise, die Philosphen sonst so an sich haben. Hierzu ein passendes Zitat:
„Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“
– Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen, S. 109 (1953)
Ich würde dieses Buch jedem Empfehlen, der sich schon immer gefragt hat, was es mit der Philosophie so auf sich hat, was ihr Sinn und Zweck ist, und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Nebenbei gibt unser Autor natürlich seine eigenen Ideen preis. Und er ist ein, wie er selbst sagt, moderner Humanist, der einen Materialisten gut verstehen kann – was auch immer das heißen mag.
„Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst; entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können.“
– Friedrich Nietzsche