Archiv der Kategorie 'Gesellschaft'

12
Aug
08

nɔɪ̯n ʊn ˈdʀaɪ̯sɪç nɔɪ̯nsɪç | 39,90

Schnell, bunt, verrückt, prall und aufrüttelnd und polemisch – so würde ich die Verfilmung des gleichnamigen Romans Neununddreißigneunzig. 39.90 vom Frédéric Beigbeder beschreiben. Der Film ist amüsant und bildgewaltig und bleibt sich immer stets selbst treu.

Der Protagonist und Alter Ego von Monsieur Beigbeder, Octave, erzählt autobiografisch sein Leben, welches zunächst mit seinem Ende beginnt. Der Film porträtiert Octave als einen selbstverliebten aber doch genialen Werbefilmer und versucht unsere Art Designer als eine neue Art ‘moderner Künstler’ darzustellen. Stets mit Koks und Pillen planiert steuert Ocatve sich und uns durch sein Leben. Er erzählt von sich, von seiner großen Liebe und von der unerträglichen Werbebranche. Immer wieder auffallend ist Octaves Abneigung gegen Menschen ohne Selbstachtung.

by the way: Brille ist schief

Die Karikatur der Werbewelt aus der Sicht Octaves beginnt mit den Worten: „Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich.“ Damit nimmt der Streifen die Kritik schon am Anfang vorweg. Interessant, wie schnell man wären des Films ins Grübeln kommt, wie sehr man doch von der Werbewelt beeinflusst wird. Vielen Dinge des heutigen täglichen Lebens während gar nicht unbedingt nötig, wenn uns die Werbewelt nicht die Wünsche ins Hirn pflanzen würde – denn viel benötigt der Mensch nicht, um glücklich zu sein. Gnadenlos ‘entlarvt’ Octave im späteren Teil des Filmes einen französischen Milchgiganten – wohl eine Persiflage auf Danoné – als ‘gewinngeilen’ Konzern, der eigentlich gar nicht will, dass sich der Käufer des Produkts besser fühlt – wie in dem Spot suggeriert – sondern nur den Absatz steigern möchte. Oha, was für eine Neuigkeit!

Einziger Kritikpunkt: der Schluss. Der Schluss endet mit dem Satz: ‘Jedes Jahr werden weltweit ca. 100 Mrd. US-$ für Werbezwecke ausgegeben. Nur 10% der Summe würde laut UN-Bericht ausreichen, um den Welthunger zu halbieren.’ Und genau das hat mir nicht so gut bekommen, da es etwas polemisch ist.

Ein großer Teil unserer Wirtschaft beruht nun mal auf der freien Marktwirtschaft, die im Endeffekt einen nie da gewesenen Wohlstand gebracht haben. Und die 10%, von denen hier gesprochen wird, müssen auch auf irgendeine Art erwirtschaftet werden (ja, auch der Kapitalismus hat seine GROSSEN Schwächen, aber vielleicht das kleinere Übel von allen Wirtschaftssystemen).

Vielleicht könnte man die 10% aber auch in eine breit gefächerte Bildungsinitiative stecken, die Menschen in Armut zeigt, dass sie selbst dich Macht haben, sich politisch zu engagieren und z. B. in ihren Ländern Privateigentum (Verfügungsrechte) durchsetzen, um ihren eigenen fruchtbaren Boden zu bewirtschaften (ohne das ein machtgeiler General ihnen alles wieder weg nimmt) – ja, auch das ist ein wenig polemisch, aber mit dem Zeigefinger auf die Werbebranche als großen Teufel zu zeigen, ist auch nicht ganz fair.

Wikipedia: Neununddreißigneunzig

MySpace: 39,90




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