Archiv der Kategorie 'Bücher'

14
Dez
08

Eine kurze Geschichte einer langen Entwicklung

Das Buch ‘Dinosaurs – A Very Short Introduction’ von David Norman ist alles andere als eine oberflächliche, sensationshaschende Abhandlung über die Donnerechsen. Obwohl es in dem Werk nicht an Begeisterung und einfacher Sprache fehlt, wird doch ganz klar der wissenschaftliche Anspruch des Autors deutlich.

Das Buch ist für jeden empfehlenswert, der auf der einen Seite einen guten Überblick über die Klassifikation und Entwicklungsgeschichte von Dinosariern unt artverwandten Spezies wissen, aber auch einen Einblick in die Art und Weise der Wissenschaft der Paläontologie erfahren möchte. Die Methoden sind sehr aktuell und zeigen auch die rapide Entwicklung der Disziplin der Palänontologie auf.

14
Aug
08

Lebenslinien und Schnittpunkte


Gauß und Humboldt, zwei große deutsche Denker. Nicht lange ist es her, dass ich vor der Humboldt-Statue direkt vor der Humboldt-Universität in Berlin stand. Der strenge Blick dieses Herrn, sitzend mit geöffnetem Buch, habe ich noch genau Kopf. Ob er nun angestrengt nachdenkt oder auch auf uns, die Lernenden, herabschaut, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich wird es vielen so gehen, wenn sie an die großen Denker und Wegbereiter der Weimarer Klassik denken, war doch das preußische Ideal die damalige Lebensmaxime.

Doch dann bekam ich das Buch Die Vermessung der Welt
von Daniel Kehlmann in die Hände. Dieses außerordentlich interessant geschriebene Buch rückt in zwei Erzählsträngen, welche sich später kreuzen, die Herrn Gauß und Humboldt in den Mittelpunkt. Daniel Kehlmann versucht keine historisch korrekte Biographie zu schreiben. Ganz im Gegenteil. Die Protagonisten wirken menschlich, greifbar und ganz und gar nicht so heroisch und ehrenvoll, wie wir das in unserer Fantasie gerne hätten. Das ist aber auch gut so, denn so sind beide Charaktere nun sympatischer, zumindest in meiner Erinnerung. Natürlich ist das alles Fiktion, soviel ist gewiss und Gauß und Humboldt waren vielleicht in Wirklichkeit ganz anders.

Andererseits wird man beim Lesen direkt mit zwei Lebenslinien vertraut, die nicht nur Licht sondern auch Schatten zeigten. Insbesondere die Schatten des Alterns werden recht deutlich, gerade im letzten Drittel des Buches, als alle Werke (Gauß’ Disquisitiones) vollbracht und Reiseberichte (Humboldts Amerikansiche Forschungsreise) veröffentlicht waren. Hatten sie alles richtig gemacht? Fragen, mit denen  jeder selbst  früher oder später konfrontiert werden wird.

Gerade heute in der U-Bahn bin ich auf zwei doch ganz unterschiedliche alte Menschen aufmerksam geworden. Ein Herr, bestimmt über 75 Jahre, lächelte zufrieden – obwohl offensichtlich nicht bei bester Gesundheit. Ein anderer, jünger, ärgerte sich über spielende Kinder die anscheinend zu laut gewesen seien. Wenn ich mal soweit bin, möchte ich lieber der erstere sein.

Nach der ‘Vermessung der Welt’ würde ich wohl eher Humboldt sein wollen, und weniger Gauß. Ich finde Humboldt jetzt sympatischer als vorher – Gauß dagegen weniger. Und Schuld an allem ist Daniel Kehlmann.

14
Nov
07

Früher war alles besser?!?

Kennt ihr die Aussage von älteren Personen, die immer sagen, dass früher alles besser war? Geht auf die Nerven, oder? Robert Musil schreibt dazu so bestechende Worte, dass ich sie einfach zitieren muss.

Musil spricht über die sich veränderten Modeerscheinungen …
„Man kann weder gegen Personen noch gegen Ideen oder bestimmte Erscheinungen kämpfen. Es fehlt nicht an Begabung noch an gutem Willen, ja nicht einmal an Charakteren. Es fehlt bloß ebensogut an allem wie an nichts; es ist, als ob sich das Blut oder die Luft verändert hätte, eine geheimnisvolle Krankheit hat den kleinen Ansatz zu Genialem der früheren Zeit verzehrt, aber es funkelt von Neuhiet, und zum Schluss weiß man nicht mehr, ob wirklich die Welt schlechter geworden sei oder man selbst bloß älter. Dann ist endgültig eine neue Zeit gekommen.“ — Rober Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Auf den Punkt gebracht. Im übrigen gibt es da ja noch die Geschichtsromantiker, die – meist aus schönen Romanen heraus – glauben, dass die Jahrhunderte vor diesem geprägt von zumindest mehr Rücksichtnahme zur Natur oder zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit gewesen wäre. Archäologen protestieren gegen diesen Gedanken entschieden. Ausgrabungen zeigen immer wieder auf neue, dass die Menschen schon zu allen Zeiten Tierarten ausgerottet haben und die Landschaft bis zur Verwüstung ausgeraubt haben. Oder warum ist das einst so fruchtbar beschreibenen Mesopotamien  - der „fruchtbare“ Halbmond – heute eine staubige Wüste?

07
Nov
07

Trash macht das Fahren auch nicht leichter

Stau - Quelle: www.planet-wissen.deWer soviel durch Deutschland und die Welt reist, wie ich, der sitzt umvermeidlich quälend lange Stunden im Auto – und in den endlos langen Staus. Frohgemüter nennen Staus zwar Stoßstangenkuscheln, doch ich kann dafür nichts abgewinnen – aber das nur nebenbei. Tatsächlich ist die Zeit im Fahrzeug tote Zeit und ich versuche Sie bestmöglich zu nutzen.

Natürlich hört man anfangs schöne Musik oder auch anspruchvolles Radioprogramm – am leibsten aktuelles Geschehen und Kultur. Hier möchte ich auch einen kräftigen Seitenhieb an all die Bayern 3s, SWR 3s oder Hitradios senden, die die „besten Hits der 70er und 80er“ rauf und runter spielen. Ich nehme mal an, dass die GEMA nicht so viel Gebühren für die alten Lieder verlangt. Meine Stau-Musiker sind mittlerweile Satie, Debussy aber auch Gershwin und Barber.

Schlussendlich landet jeder Reisende bei den Hörbüchern. Und man erlangt sehr schnell Ernüchterung. Gute Hörbücher sind gar nicht so leicht zu finden oder ein bisschen zu teuern. Notiz: mal nachsehen, was Audiobooks bei iTunes so kosten. Ein guter Kollege drückte mir unlängst das Hörbuch „Diabolus“ von Dan Brown in die Hand. Zögerlich aber von Langeweile getrieben nahm ich es natürlich an. Und ich bin herb enttäuscht von Dan Brown – nicht vom Leser, denn der ist gut – Detlef Bierstedt, die Stimme von Lt. William Riker.

Diabolus - Quelle: last.fm„Diabolus“ handelt von der ominösen NSA und einen geheimen Verschlüsselungscode. Wie immer versucht Dan Brown, und das war nur bei „Illuminati“ spektakulär, durch Halbwissen dem Leser das Gefühl zu geben, dabei auch noch etwas zu lernen. Interessant ist auch der Effekt der Vorahnung. Damit meine ich die geschickte Taktik Browns, kurz vor einer Enthüllung dem Leser schon einen (eindeutigen) Hinweis zu geben. Wenn dann die Dinge so eintreffen, wie Brown es suggeriert hat, füllt sich der „Feingeist“ unter den Leser natrürlich geschmeichelt.

Die Story läuft nach Iluminati-Sakrileg-Schema ab: ein höchst gebildetes Alterego von Dan Brown mit wunderschöner Verlobten macht sich auf eine Reise nach Europa und jagt Gespenster – pardon, hier ist es ein Ring. Der einzige Unterschied ist diesmal, dass sich unser Protagonist noch dümmer anstellt, als die Polizei erlaubt – zwischenzeitlich wollte ich schon ausschalten. Aber am Ende siegt doch das Gute und alle haben sich lieb. Tivial und dabei nur mäßig unterhaltsam. Originalität kann man leider nicht am laufenden Band erzielen. Aber immerhin besser als die besten Hits der 70er und 80er, obwohl …

21
Okt
07

Das Wagnis, die Wahrheit auszusprechen

Buch 'God Delusion'Das Buch der ‚God Delusion’ oder zu Deutsch ‚Der Gotteswahn’ ist in Deutschland ein wenig unbeachtet geblieben. Wahrscheinlich, weil das Thema Atheismus in Deutschland weit weniger kontrovers diskutiert wird, wie in den Vereinigten Staaten. Das bedeutet aber nicht, das dieses Buch für die Menschen hierzulande nicht auch wichtig wäre.

Es ist selbst in unserer sogenannten aufgeklärten westlichen Welt immer noch noch nicht einfach für einen Atheisten. Und so verteilt Richard Dawkins in seinem Buch einen Rundumschlag mit der Kraft der Vernunft an alle, die sich auf lang dagewesen Autoritäten als Begründung ihrer Ansichten berufen. Bei genauerem Hinsehen wackelt dieses althergebrachte Weltbild aber Stück für Stück. Dawkins ist in seiner Argumentation durchweg stichhaltig (bis auf eine Stelle, auf die ich faiererweise später Bezug nehmen muss), und man kann schon von einer Portion Mut sprechen, die ein Gläubiger aufbringen muss, um dieses Buch zu lesen.

Alte Argumente von Theologen und Kreatonisten werden ausgehebelt und Antworten auf Fragen wie die Herkunft von Moral und Altruismus beantwortet. Natürlich ist der Ton von Richard Dawkins recht offen und hart, aber warum auch nicht.

An einem Punkt schießt unser britischer Professor aber über das Ziel hinaus. Und zwar hängt sich der Autor an dem Bibelbericht über Jephthas Tochter auf. Für alle, die es noch nicht kennen: Jephtha versprach bei einem Sieg über die Ammoniter, das erste zu opfern, was er zu Hause erblicken würde. Zu seinem Übel siegte er und sah zu Hause al erstes seine Tochter aus dem Hause kommen. Richard Dawkins meinte, er hätte seine Tochter als Menschenopfer dargebracht. Das ist aber nicht unbedingt schlüssig, denn es war für die Juden damals etwas ekelhaftes, Menschen zu opfern. Beim genauen Hinsehen im Urtext steht an der entscheidenden Stelle einfach nur, das Jephthas Tochter Gottes wurde - also alles im Genitiv. Man muss ja nicht alles verteufeln …

Trotzdem, wer sich traut, unbedingt lesen!

17
Sep
07

Über Affen und Pyramiden

KollapsGerade bin ich mit meiner jüngsten Lektüre fertig, dem Buch von Jared Diamond „Der dritte Schimpanse“ in seiner überarbeiteten Auflage von 2006. Kaum habe ich ein Buch gelesen, das so viele verschiedenen interessante Gebiete abdeckt und dennoch eine Linie verfolgt. Aufmerksam bin ich auf den Autor Jared Diamond geworden, als ich letzten Winter im Weihnachsturlaub seinen Bestseller „Kollaps“ gelesen habe.

„Kollaps“ ist eine sehr umfrangreiche Argumentation, gestützt auf Archäologie und Paläontologie, die beweist, warum vergangene Kuluren, wie die Osterinsulaner (Rapanui) und die Anasazi, untergegangen sind, und was wir vor allem heute daraus lernen können. Wer sich durch die über 400 Seiten durchgekämpft hat, ist zumindest in Richtung Allgemeinbildung einen erheblichen Schritt weiter. Außerdem kann man dannach ganz gut ökologische und soziologische Zusammenhänge erkennen.

Grundlage des Buches „Der dritte Schimpanse“ ist eigentlich an das Thema von Kollaps angelehnt. Natürlich gibt Mr. Diamond zuerst einen kurzen Überblick über die Entwicklungsgeschichte von Mensch und Kulur, doch schwenkt er spätestens ab der zweiten Hälfte des Buches auf die heutigen Auswirkungen des Menschen auf die Erde. Trotzdem sollte man dieses Buch vielleicht eher lesen wie „Kollaps“, denn Jared Diamond wirft einige sehr interessante Thesen in den Raum, wie z. B.

  • warum Menschen so ein vielschichtiges emotionales Liebesleben haben
  • dass Schimpansen eigentlich Menschenrechte haben sollten
  • dass es in der Vergangenheit nicht besser war als heute (Gegenthese zu Rousseau), dass die Menschen aber heute unentschuldbar für ihr Handeln sind
  • warum wir mit fast absoluter Wahrscheinlichkeit nie Außerirdische treffen könnten
  • dass möglicherweise die Menschen die großen Säugetier auf dem panamerikanischen Koninent ausgerottet haben
  • wie es zu rassischen Unterschieden gekommen ist, und dass jeglicher Rassismus Quatsch ist, weil wir alle näher miteinander verwandt sind, als wir glauben möchten
  • dass durch puren Zufall die westliche Welt vorherrscht
  • wie man herausfinden kann, wer der Ursprung der indogermanischenSprachfamilie ist
  • etc.

Das sind nur einige wenige Denkanstöße des Buches. Für mich im Nachhinein eine Pflichtlektüre für alle, die den begangenen Pfad der Menscheit bestaunen möchten, und wohin er möglicherweise steuert. Bei allem Lob muss man auch sagen, dass Jared Diamond ein Hang zu Längen hat, ob in „Kollaps“ oder auch in „Der dritte Schimpanse“ – doch er holt halt bei seiner Argumentation immer weit aus.

10
Sep
07

Was ist Evolution?

Das ist EvolutionEs gibt Fragen, die sind sehr wichtig, dass man sie sich stellt. So wie etwas die Frage, was eigentlich hinter der Evolution steckt und worauf sie sich stützt. Eines Tages hat mich die Neugierde nicht mehr in Ruhe gelassen. Ich musste mehr über das Thema erfahren. Aus diesem Grund habe ich versucht, ein neutrales Buch zu finden und es zu lesen. Das Buch mit dem Titel ‘Das ist Evolution’ von Ernst Mayr hatte den Anschein, diese Aufgabe mit Bravour zu erfüllen. Ernst Mayr ist leider schon verstorben – er zählt wohl aber zu den einflussreichsten Biologen des 20. Jahrunderts.

Schon im ‘Vorwort’ heißt es über den Zweck des Buches:

„Das vorliegende Buch ist für drei Lesergruppen bestimmt. Zuallerst richtet es sich an alle, ob Biologen oder nicht, die einfach mehr über die Evolution erfahren möchten. [...] Die zweite Zielgruppe erkennt an, dass es eine Evolution gibt, hat aber Zweifel, ob die darwinistischen Vorstellungen richtig sind. [...] Und schließlich richtet sich meine Darstellung an jene Kreationisten, die über den derzeitigen Stand der Evolutionslehre Bescheid wissen möchten, und sei es auch nur, um besser dagegen argumentieren zu können.“

- Ernst Mayr ‘Das ist Evolution’ / Taschenbuchausgabe Sep. 2005, Seite 14, 15

Das schienen doch gute Gründe dafür zu ein, das Buch zu lesen. Die Argumentationsreihen sind stets fundiert und ohne Lücken. Viele ‘alte’ Argumente gegen die Evolution werden aufgedeckt, und man stellt mit Erschrecken fest, dass von der anderen Seite oft uralte Daten und Fakten verwedent werden – aktuelle, schlüssige Arguemente werden von den Kreatonisten vorgehalten. Das Buch ist frei von Wertungen oder unwissenschaftlichen Stellungen, was es besonders wertvoll und erfrischend neutral macht. Lesen – empfehlenswert.

Hier noch ein Zitat von Ernst Mayr:

„Ich glaube nicht an etwas Übernatürliches, aber ich glaube auch nicht, dass wir nur auf der Welt sind, um Spaß zu haben. Wir sind auf der Welt, um die Menschheit ein Stück besser zu machen.“

29
Aug
07

Die philosophische Gebrauchsanweisung

Eine philosophische GebrauchsanweisungKürzlich habe ich mir das Buch ‘Leben lernen Eine philosophische Gebrauchsanweisung’ von Frankreichs Ex-Bildungsminister Luc Ferry zu Gemüte geführt. Auf den ersten Blick wirkt der Titel wie eine esoterische Lebenshilfe. Das ist es aber nicht – und würde, nebenbei gesagt, auch nicht zu mir passen.

Das Buch ist ein kurzer Streifzug durch die Philosophie mit allem was man über die Vergangenheit und Gegenwart wissen muss. Dabei wird nichts Wichtiges ausgelassen und zum Glück nicht an dem notwendigen Fachvokabular der Philosophen gespart. Auf der anderen Seite vermisst man zum Glück die schwierige und seltsame Ausdrucksweise, die Philosphen sonst so an sich haben. Hierzu ein passendes Zitat:

„Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“

Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen, S. 109 (1953)

Ich würde dieses Buch jedem Empfehlen, der sich schon immer gefragt hat, was es mit der Philosophie so auf sich hat, was ihr Sinn und Zweck ist, und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Nebenbei gibt unser Autor natürlich seine eigenen Ideen preis. Und er ist ein, wie er selbst sagt, moderner Humanist, der einen Materialisten gut verstehen kann – was auch immer das heißen mag.




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Die Simpsons und die Philosophie - Hrsg. Erwin, Conrad, Skoble


 

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