„Heute wartet der legendäre Eiger auf mich!
Der Tag beginnt pünktlich um 7:00 Uhr mit Dusche und ausgedehntem Frühstück. Die Rechnung war auch schnell bezahlt und dann ging es auch schon weiter auf dem Bärentrek. Die erste Etappe dieses Tages war der Eigertrail – eine wohl sehr bekannte Wanderstrecke. Dass die meisten Touristen den Trail aber nur vom Prospekt kennen, merkt man an den wenigen Wanderern, denen ich begegnete.
Doch zuerst musste ich mir Trinkwasser besorgen, denn ich hatte mal wieder vergessen, Wasser von der Quelle in Alpiglen mitzunehmen. Am Vorabend habe ich aber schon einen netten Wasserfall von der Ferne ausgemacht, der direkt am Eigertrail liegen muss. Ich wollte also zwei Fliegen mit einer klappe schlagen, nämlich Wasserfall bewundern und Wasser auffüllen. Falsch gedacht, Herr Rademacher. Der Wasserfall war riesig und sich Wasser holen wohl lebensgefährlich.
Der Eigertrail an sich war sehr schön, obwohl es noch relativ früh war und somit alles im Schatten lag. Um die Schönheit genauer zu beschreiben: links erheben sich majestätisch die Bergwände, die einen fast zu erdrücken drohen, besetzt mit Schneefeldern die zu tosenden Wasserfällen schmelzen, und rechts öffnet sich ein wunderschönes Tal mit der üblichen Alpenromantik.
Es steht ja noch die Frage im Raum, wie ich an mein Trinkwasser gekommen bin. Glücklicherweise bin ich noch an weiteren, kleineren Bächen vorbeigeschlendert, bei denen man gefahrlos Wasser schöpfen konnte. Das Wasser war zwar Gletscher-Schmelzwasser, ich finde jedoch, dass es prima schmeckt. Ein bisschen nach Schnee eben. Außerdem bestimmt gesünder als das Wasser von Aquarell, das bekanntlich gefiltertes Rheinwasser ist.
Um ca. 10 Uhr war ich an der legendären Eiger Nordwand. Dort wird einem schon anders, wenn man bedenkt, wie vile Leben diese Wand gekostet hat. Ich habe kürzlich gelesen, dass die Wand so steil ist, das losgebrochene Steine ungebremst hinunterfallen und sich wie Gewehrkugeln anhören.
Die nächste Station war die Station Eigergletscher (Bergbahn), die so gegen 10:40 Uhr erklommen war. Ich hatte gar keine Idee wie schön das Panorama Jungfrau, Mönch, Eiger und der Eigergletscher sind. Von dort aus habe ich mich dann ein wenig verzettelt, weil ich den direkten Weg nach Wixi (nicht lachen) nicht gefunden habe. Ausgeschildert war es nicht und meinen Kompass habe ich leider nicht benutzt. Es müsste nämlich von der Station etwas nach SO gehen. Da Lesen bildet und ich die Karte nicht genau gelesen habe, bin ich dann eben zur Kleinen Scheidegg rübergewatschelt. Anders kann man das nicht nennen, da hier eine wahre Wanderstraße gebaut wurde, damit der Durschnittstourist auch zum Eiger kann.
Ich habe mich ein wenig beeilt und bin dann doch zur rechten Zeit noch in Wixi angekommen (ja, ich weiß … ein blöder Name). Wixi war sozusagen das Tor ins UNESCO Welt-Naturerbe. Auf dieser Strecke bewegt man sich dann auf den Trümmelbach zu. Auf diesen 2,5 km muss man die erste Hälfte durch schöne ruhige Wälder ganz gemütlich ohne Höhenunterschied. Doch dann kam es hart. Auf der restlichen Strecke muss man 900 m Höhenunterschied überwinden. Das merkt man dann direkt in den Ohren, wie beim Autofahren. Der Weg lohnt sich aber allemal, da aufgrund des Höhenunterschieds kaum Touristen unterwegs sind.
Das Gepäck schmerzte schon im Rücken und die Sohlen brannten, doch schon um 15:40 Uhr war in inten in der Ortschaft Trümmelbach. Der Trümmelbach schließt hier mit den Trümmelbachfällen ab, die man auch besuchen kann. Dort habe ich dann meine Schweißfüße in das kalte Nass getaucht, begleitet von unverständlichen Blicken von Turnschuhtouristen natürlich.
Im Hotel Stechelberg, etwa 2 km taleinwärts, wusste – natürlich – keiner von meiner Reservierung und der Wirt war schon sehr kauzig. Ein Zimmer hatten sie dennoch frei, obwohl sie sichtlich enttäuscht waren, dass ich nur eine Nacht geblieben bin. Aber mehr als für einen Abend gibt es in Stechelberg nicht, also konnte ich ihnen den Gefallen nicht machen.