Wer soviel durch Deutschland und die Welt reist, wie ich, der sitzt umvermeidlich quälend lange Stunden im Auto – und in den endlos langen Staus. Frohgemüter nennen Staus zwar Stoßstangenkuscheln, doch ich kann dafür nichts abgewinnen – aber das nur nebenbei. Tatsächlich ist die Zeit im Fahrzeug tote Zeit und ich versuche Sie bestmöglich zu nutzen.
Natürlich hört man anfangs schöne Musik oder auch anspruchvolles Radioprogramm – am leibsten aktuelles Geschehen und Kultur. Hier möchte ich auch einen kräftigen Seitenhieb an all die Bayern 3s, SWR 3s oder Hitradios senden, die die „besten Hits der 70er und 80er“ rauf und runter spielen. Ich nehme mal an, dass die GEMA nicht so viel Gebühren für die alten Lieder verlangt. Meine Stau-Musiker sind mittlerweile Satie, Debussy aber auch Gershwin und Barber.
Schlussendlich landet jeder Reisende bei den Hörbüchern. Und man erlangt sehr schnell Ernüchterung. Gute Hörbücher sind gar nicht so leicht zu finden oder ein bisschen zu teuern. Notiz: mal nachsehen, was Audiobooks bei iTunes so kosten. Ein guter Kollege drückte mir unlängst das Hörbuch „Diabolus“ von Dan Brown in die Hand. Zögerlich aber von Langeweile getrieben nahm ich es natürlich an. Und ich bin herb enttäuscht von Dan Brown – nicht vom Leser, denn der ist gut – Detlef Bierstedt, die Stimme von Lt. William Riker.
„Diabolus“ handelt von der ominösen NSA und einen geheimen Verschlüsselungscode. Wie immer versucht Dan Brown, und das war nur bei „Illuminati“ spektakulär, durch Halbwissen dem Leser das Gefühl zu geben, dabei auch noch etwas zu lernen. Interessant ist auch der Effekt der Vorahnung. Damit meine ich die geschickte Taktik Browns, kurz vor einer Enthüllung dem Leser schon einen (eindeutigen) Hinweis zu geben. Wenn dann die Dinge so eintreffen, wie Brown es suggeriert hat, füllt sich der „Feingeist“ unter den Leser natrürlich geschmeichelt.
Die Story läuft nach Iluminati-Sakrileg-Schema ab: ein höchst gebildetes Alterego von Dan Brown mit wunderschöner Verlobten macht sich auf eine Reise nach Europa und jagt Gespenster – pardon, hier ist es ein Ring. Der einzige Unterschied ist diesmal, dass sich unser Protagonist noch dümmer anstellt, als die Polizei erlaubt – zwischenzeitlich wollte ich schon ausschalten. Aber am Ende siegt doch das Gute und alle haben sich lieb. Tivial und dabei nur mäßig unterhaltsam. Originalität kann man leider nicht am laufenden Band erzielen. Aber immerhin besser als die besten Hits der 70er und 80er, obwohl …
