Zweites Highlight meines Berlin-Ausflugs war die Ausstellung „BABYLON – Mythos und Wahrheit“ im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel. Als geübte Gegen-den-Strom-Schwimmer bogen Tobias und ich natürlich nicht zuerst in die Sonderausstellung ab, sondern zuerst zu den griechischen Vasen und Büsten. Ein paar liebe Freunde meiner Denke, Epikur und Seneca, waren zu sehen, aber auch depressive Grabwächter und heroische Löwen.
Unter dem Stichwort Mythos BABYLON schwirren jedem Menschen sofort einige Bilder im Kopf herum. Für konservativ-christlich gebildete Menschen sicherlich noch intensiver. Babylon steht für Verfall, Entartung, Sünde und Zügellosigkeit – zumindest in der jüdisch-christlichen Mythologie. Deshalb war ich umso mehr begeistert, wie die Ausstellung Mythos inszeniert wurde. Von der Farbgebung der roten Wände mit schwarzen Teppich und der Komposition der Inhalte zog sich ein interessanter Faden durch die Ausstellung. Die Ausstellung beginnt mit einem Erklärungsversuch, wie die Stadt und das Volk Babylon die Geschichte so prägen konnte, fährt mit Nebukadnezar als den absoluten Tyrannen fort, schlägt die Brücke über die Sünde und natürlich die Hure Babylon, vergisst nicht den Hochmut vom Turmbau zu Babel und der daraus resultierenden Sprachverwirrung. Wer denkt, es handle sich hier um eine gewöhnliche Ausstellung, der wird überrascht sein – so wie ich es war. Das Museum formt eine gute Mischung aus Fakten und realen Dokumenten und moderner Kunst, die die verschiedenen Themen aufgreift.
Leider war nur noch wenig Zeit für die Ausstellung WAHRHEIT/TRUTH von Babylon. Das Pergamonmuseum gibt natürlich mit dem Aufbau des Ischtar-Tors einen imposanten Einblick in den damaligen Glanz der Stadt Babylon. Unzählige Keilschriften und kleine Götzen erwecken das damalige tägliche Leben zumindest in meiner Phantasie wieder. Im Kontrast zur Mythos-Ausstellung zeichnet sich hier ein doch menschliches und doch auch gewöhnliches Bild einer ganz normalen Stadt dieser Zeit ab (denke ich zumindest). Und die doch so verrufenen Babylonier waren meist einfache Kaufleute und Bauern, die für damalige Verhältnisse eine erstaunliche Hochkultur errichtet haben. Viele der babylonischen Bräuche wurden regelrechte Exportschlager, wie zum Beispiel die Benennung des Hauptgottes Marduk mit lediglich HERR, so wie die Juden und Christen dies unwesentlich später auch einführten.
Der Streifzug durch die alte Stadt hatte ein plötzliches Ende: wir schließen – begeben Sie sich bitte zum Ausgang.