Heute morgen gab es mal wieder heiße Neuigkeiten in der ‘Evolution vs. Kreatonismus’-Diskussion. In der New York Times vom 04. Juni 2008 wurde unter dem Artikel „Opponents of Evolution Are Adopting New Strategies“ der neueste Streich aus der dynamischen Kreatonisten-Lobby vermeldet.
Da die Kreatonisten in den letzten Monaten doch erhebliche Niederlagen erlitten haben, musste das Leben nach dem Itelligentem Design ins Leben gerufen werden. Und man mag es nicht glauben, doch in einem neuen Streit über ein Lehrmittel in Texas wurde eingefordert, die „Stärken und Schwächen“ der Evolutionstherorie zu erläutern. Offensichtlich ja nicht unbedingt etwas schlechtes, Dinge mit einem argwöhnischem Auge zu betrachten. Dennoch auch paradox, denn gerade die Fraktion der verschlossenen Augen möchte zum Zweifel und Argwohn auffordern. Nebenbei bemerkt, sollte man nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.
Nun gut, dann sollten also die Stärken und Schwächen der Evolution gelehrt werden. Doch die Schwächen oder Lücken in der Geschichte des Lebens sind allgemein bekannt und werden offen in jeden Biologie-Lehrbuch angesprochen. Ich kann mich nur immer wieder an Sätze erinnern, wie: „Hier sind sich die Forscher noch uneins …“. Also warum direkt diesen Punkt in einem Lehrbuch fordern?
Zunächst, weil eine Person beim Terminus „Stärken und Schwächen“ sofort die Schwächen im Hinterkopf behält und so impliziert, die Evolution hätte eklatante Lücken. Nun hat die Sache leider schon einen meterlangen Bart und ich möchte nicht großartig ausholen, warum es in der Evolution keine großen Lücken gibt. Trotzdem würde ich in dem Gerichtsverfahren plädieren, dass man zunächst den Term umdreht und von „Schwächen und Stärken“ spricht. Doch hoffentlich verlieren die Kläger den Fall und die Richter verhindern ein weiteres dunkles Kapitel der wissenschaftlichen Unterdrückung durch Religionen.
Beim Lesen des Artikel fällt auf, dass den Kreatonisten keine neuen Argumente eingefallen sind. Ob es die nicht reduzierbare Komplexität sei, ein angeblich lückenhafter Fossilbericht oder die Kambrische Explosion (hierzu habe ich mich schon mal ausgelassen: ‘Kambrische Explosion … ähhh … Radiation’). Deshalb freut es mich um so mehr, dass der im Artikel zitierte Kevin Fisher die Sache auf den Punkt bringt:
Mr. Fisher points to the flaws in Darwinian theory that are listed on an anti-evolution Web site, strengthsandweaknesses.org, which is run by Texans for Better Science Education.
“Many of them are decades old,” Mr. Fisher said of the flaws listed. “They’ve all been thoroughly refuted.”
— ‘Opponents of Evolution Adopting New Strategy’ – The New York Times, June 4th, 2008
Das die Argumente der Kreatonisten alt und brüchig sind, war übrigens einer der Gründe, warum ich die Schöpfungslehre für so falsch halte. Und es gibt wohl nichts, was einen mehr enttäuscht, als zu sehen, dass geistliche Führer ihre Mitglieder regelrecht an der Nase herumführen. Aber wenn ich mich nicht irre, dann ist selbst das Lügen laut den Zehn Geboten verboten.

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