Gerade bin ich mit meiner jüngsten Lektüre fertig, dem Buch von Jared Diamond „Der dritte Schimpanse“ in seiner überarbeiteten Auflage von 2006. Kaum habe ich ein Buch gelesen, das so viele verschiedenen interessante Gebiete abdeckt und dennoch eine Linie verfolgt. Aufmerksam bin ich auf den Autor Jared Diamond geworden, als ich letzten Winter im Weihnachsturlaub seinen Bestseller „Kollaps“ gelesen habe.
„Kollaps“ ist eine sehr umfrangreiche Argumentation, gestützt auf Archäologie und Paläontologie, die beweist, warum vergangene Kuluren, wie die Osterinsulaner (Rapanui) und die Anasazi, untergegangen sind, und was wir vor allem heute daraus lernen können. Wer sich durch die über 400 Seiten durchgekämpft hat, ist zumindest in Richtung Allgemeinbildung einen erheblichen Schritt weiter. Außerdem kann man dannach ganz gut ökologische und soziologische Zusammenhänge erkennen.
Grundlage des Buches „Der dritte Schimpanse“ ist eigentlich an das Thema von Kollaps angelehnt. Natürlich gibt Mr. Diamond zuerst einen kurzen Überblick über die Entwicklungsgeschichte von Mensch und Kulur, doch schwenkt er spätestens ab der zweiten Hälfte des Buches auf die heutigen Auswirkungen des Menschen auf die Erde. Trotzdem sollte man dieses Buch vielleicht eher lesen wie „Kollaps“, denn Jared Diamond wirft einige sehr interessante Thesen in den Raum, wie z. B.
- warum Menschen so ein vielschichtiges emotionales Liebesleben haben
- dass Schimpansen eigentlich Menschenrechte haben sollten
- dass es in der Vergangenheit nicht besser war als heute (Gegenthese zu Rousseau), dass die Menschen aber heute unentschuldbar für ihr Handeln sind
- warum wir mit fast absoluter Wahrscheinlichkeit nie Außerirdische treffen könnten
- dass möglicherweise die Menschen die großen Säugetier auf dem panamerikanischen Koninent ausgerottet haben
- wie es zu rassischen Unterschieden gekommen ist, und dass jeglicher Rassismus Quatsch ist, weil wir alle näher miteinander verwandt sind, als wir glauben möchten
- dass durch puren Zufall die westliche Welt vorherrscht
- wie man herausfinden kann, wer der Ursprung der indogermanischenSprachfamilie ist
- etc.
Das sind nur einige wenige Denkanstöße des Buches. Für mich im Nachhinein eine Pflichtlektüre für alle, die den begangenen Pfad der Menscheit bestaunen möchten, und wohin er möglicherweise steuert. Bei allem Lob muss man auch sagen, dass Jared Diamond ein Hang zu Längen hat, ob in „Kollaps“ oder auch in „Der dritte Schimpanse“ – doch er holt halt bei seiner Argumentation immer weit aus.