Letztes Wochende habe ich es endlich geschafft, mir im Kino Death Proof anzusehen. Oberflächlich gesehen war der Film eigentlich einfach nur brutal. Aber länger darüber nachgedacht, treten einige sehr interessante und zweifelsohne gewollte Facetten des Films hervor. Natürlich lebt ein Tarantino-Film von seinen unterhaltsamen und derben Dialogen, doch werden in gezielter Dosierung Zweideutigkeiten und sprechende Bilder eingebaut, die im Nachhinein das Gefühl vermitteln, dass da mehr dahinter steckt. Ein kleiner Beweis dafür: unser Bösewicht fliegt gegen Ende des Streifens durch ein „Scary Movie“-Werbeschild.
Sicherlich ist es ein alter Hut, dass Tarantino mit derben Bildern (z. B. die schonungslose Darstellung der Mittelmäßigkeit – auch die der Girls im ersten Part, oder auch die derben Autos) arbeitet, doch ist zumindest der Look und die gewollt stümperhafte Machart des Films in Schnitt und Ton einfach nur kulitg. Tatsächlich vermag Tarantino sogar offen zu zeigen, wie Frauen über Rache denken. Wir Jungs üben die Rache ja schnell und sauber aus. Wären die Protagonisten also ausschließlich Jungs gewesen, dann hätten sie den Bösewicht lange gejagt, einer der Helden wäre tragisch gestorben um am Ende hätte man den immer noch überlegenen Gegner mit einer einzigen vergoldeten Kugel niedergestreckt.
Die Girls genossen aber ihre Rache und verfolgten unseren Retro-Rocker eine Weile um ihm ständig zu zeigen, wer in Wirklichkeit die Hosen an hat. Interessant war außerdem die plötzlich so weinerliche Art unseres armen Schluckers und Vertreters des Männergeschlechts. Ist ja auch eine Eigenart von uns, immer dann herumzuheulen, wenn uns Frauen überlegen sind – anstatt zurückzubeißen.
Neulich wurde der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Radio diskutiert, mit dem Hintergrund, ob sich die Geschlechter immer mehr annähern oder ob sie doch unterschiedlich bleiben. Das Talk-Thema tut jetzt zwar nichts zur Sache, es wurde aber ein Bericht eines deutschen Staatsanwalts zitiert, der den Unterscheid zwischen Delikten aus Ehekrisen heraus zwischen Männern und Frauen darstellt. Fazit: Männer werden bei entarteten Ehekrisen oft zu Mördern oder Totschlägern, wobei Frauen z. B. alle Kleider oder Krawatten ihrer Ex-Geliebten zerschnitten haben oder seine gesamte Wohnung mit Senf beschmirt haben. Die Girls möchten ihre Überlegenheit demnach also eindeutig und spürbar zeigen, den Feind ein bisschen leiden sehen – uns Herren geht es wohl eher um das Gefühl, die Erde um einen Schurken ärmer gemacht zu haben (nicht zu vergessen, dafür auch von anderen Männer auf die Schulter geklopft zu werden).
Ob Tarantino soviel dahinter gesehen hat, weiß ich nicht. Aber eines können wir Männer uns von diesem Film merken – zurückbeißen und nicht gleich weinen!